Die erfolgreiche Apotheke 03/2012
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Die erfolgreiche Apotheke | Ausgabe 03/2012

Dermatologie + Apotheke = Dermotheke

Die „Haut“- Apotheke schließ die Lücke zwischen Facharzt, Pharmazie und Kosmetikfachgeschäft. Primär als Weg in die Selbständigkeit für PTAs gedacht, können auch Apotheker Franchisenehmer werden.

Hautpflege ist leichter gesagt als getan. Denn immer mehr Menschen reagieren auf Inhaltsstoffe empfindlich. Oder leiden unter Hauterkrankungen wie Psoriasis & Co und bedürfen intensiver Beratung. Doch das können aus unterschiedlichen Gründen oft weder Hautarzt noch Apotheke leisten – und eine Drogerie oder Parfümerie auch nicht. Mit ihrem Konzept er Dermotheke möchte Gründerin Daniela Lehmann, selbst PTA für Dermopharmazie und ausgebildete Kosmetikerin diese Beratungslücke schließen und zugleich eine Brücke schlagen zwischen Pharmazie und Kosmetik: „Die Kunden sollen in der Dermotheke sowohl einen kompetenten Ansprechpartner für Hautprobleme wie auch für hochwertige Naturkosmetik finden.“ Und gegebenenfalls auch gleich Behandlungen buchen können.

Wobei gerade letzteres ein großer Stolperstein ist, war doch im Gründungsjahr 2010 noch ungeklärt, ob Kosmetikbehandlungen innerhalb der Apotheken-Betriebsräume zulässig sind. Das Urteil fiel erst im Januar 2011, da war die Dermotheke aber schon an den Start gegangen – als Pilotbetrieb in Karlsruhe-Bruchsal. Und so setzte das neue Franchise-Konzept von Anfang an weitsichtig auf eine klare Trennung von Dermo- und Apotheke – und bietet Apothekern zwei Optionen. Variante A sieht die Dermotheke als eigenständiges, wenn auch angegliedertes Geschäft. Diese Umsetzung ähnelt dem ebenfalls möglichen Franchising für PTAs, nur dass hier das Personal von der Apotheke gestellt wird. Wer neben dem reinen Shop- und Beratungsangebot auch Behandlungen plant, liegt mit dieser Alternative richtig, da eine eigenständige Dermotheke jenseits der Offizin nicht von dem erwähnten Gerichtsurteil betroffen ist. Variante B ist eine Light-Version und kommt als reine Shop-in-Shop Lösung daher, für die weder zusätzliche Räumlichkeiten noch Personal benötigt werden.

Die Umsetzung

In der Praxis umgesetzt erwartet den Kunden dann ein Ladengeschäft, das bewusst „an eine alte Apotheke erinnern soll“, wie Lehmann erklärt. Es dominiert weißes Holz als Kombination von offenen Regalen und typischen Apothekerschubladen. Pflanzen und Kerzen sorgen für Atmosphäre. "Obligatorisch ist der Kronleuchter, der unser Qualitäts-Produkt unterstreicht. Die alten gläsernen Standgefäße, wie sie früher in Apotheken obligatorisch waren, zeigen die Nähe zur Pharmazie“, führt Lehmann weiter aus. In Sachen Standortfrage rät sie: „wer die Dermotheke als eigenständige Ergänzung zur Apotheke führen möchte, sollte den Standort zumindest in der Nähe wählen. Gegenüber, nebenan oder nur wenige Schritte die Straße runter. “Ob für die Dermotheke dann ein kleines Ladengeschäft reicht, hängt ganz davon ab, ob auch Behandlungen angeboten werden sollen oder nicht. Und die Anzahl und Größe von Behandlungsräumen dann wiederum davon, welche Anwendungen geplant sind. Übersichtlicher ist die Umsetzung der Shop-in-Shop Lösung. "Auch hier ist alles in weißem Holz mit dem leicht historisierenden Touch gehalten, was durchaus ein Kontrast zu einer modernen Apotheke darstellen kann. Benötigt wird etwa eine Fläche von zehn Quadratmetern, denn es ist nicht damit getan, ein einzelnes Regal mit den Naturkosmetika aufzustellen. Da kann die konkrete Vor-Ort-Umsetzung schon etwas diffizil werden, weswegen das Modul individuell eingepasst wird und wir dafür mit einem Innenarchitekten zusammenarbeiten“, so Lehmann weiter.

Die Kosten

Bleibt die entscheidende Frage, was das Ganze überhaupt kostet. „Wer eine eigenständige Dermotheke plant, muss – abgesehen von der Ladenmiete und etwaigen Personalkosten – mit einem Investitionsvolumen von etwas 30.000 Euro rechnen“, erklärt Lehmann. Wer jetzt bei der Zahl zuckt, dem sei verraten, dass darin bereits die Einrichtung, die Werbematerialien und das Warenlager ebenso enthalten sind, wie die Einstiegsgebühr von 3.000 Euro. In letzterer sind bereits vorbereitende Basics, wie Standortanalyse und Marken-Coaching inkludiert – wie etwa die Ermittlung des Kundenpotentials und eine Kaufkraftanalyse. Denn nicht alle der 20+ Naturkosmetikmarken, die Lehmann für die Sortimentszusammenstellung anbietet, machen überall Sinn. Was automatisch zu Frage führt, wie das Warenlager zu Buche schlägt. Auch hier gibt es klare Antworten: „Die Ware wird nicht in Kommission genommen, sondern muss eingekauft werden. Der Einkauf unterliegt aber keinen Depotzwängen, auch Kleinstmengen sind möglich. Denn die Filialen werden aus unserem Zentrallager in Bruchsal beliefert und bestellen nicht einzeln beim jeweiligen Hersteller.“
Für die monatliche Lizenzgebühr gibt es zwei Zahlungsmodelle: Stufe A setzt sich aus 300 Euro Grundgebühr plus neun Prozent Nettoumsatzbeteiligung zusammen, bei Stufe B sind es 600 Euro plus sieben Prozent. Noch mal Lehmann: „Stufe A ist der Einstieg. Nach einem Jahr setzen wir uns mit dem Partner zusammen und schauen, ob Stufe B langfristig für ihn günstiger ist.“

Das muss alles erst mal erwirtschaftet werden, beinhaltet aber auch einige Services: Abgedeckt sind damit Pressearbeit, Medialeistungen und Marketing sowie die Nutzung der Fach- und Verwaltungshotline. Abgegolten sind auch das Porträt der Filialliste auf der Dermotheken-Website und die dortige Begleitung von Aktionen im Newsbereich sowie parallel via Facebook. „Neu ab diesem Jahr wird die regelmäßige monatliche Bestückung von DermothekeTV sein, wo die Partner Infobeiträge abrufen können“, berichtet Lehmann.

Die Dermoakademie

Denn wissen muss man eine Menge, selbst bei entsprechender Vorbildung wie etwas PTA für Dermopharmazie. Die Lösung heißt Weiterbildung. Oder hier: Dermoakademie. „Seitdem wir sie auf der Expopharm erstmals vorgestellt haben, sind wir mit der Resonanz überaus zufrieden“, berichtet Lehmann über den jüngsten Baustein in ihrem Dermotheken-Konzept, der in Bruchsal angeboten wird. Die „Naturkosmetik-Akademie“ ist dabei offen für alle, die eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Und ganz wichtig: Ihr Besuch ist keine Voraussetzung zur Eröffnung einer Dermotheke. Aber durchaus hilfreich, nimmt man etwas das Kursangebot „Storemanager“, das vor allem betriebswirtschaftliche Themen aufgreift.

Wer eine pharmazeutische oder medizinische Vorbildung hat, kann sofort mit den Weiterbildungskursen starten. Kostenpunkt je nach Seminar und Umfang: Ab 750 bis hin zu 4.500 EURO für die „Medizinisch geprüfte ganzheitliche Dermo-Kosmetikerin“. Quereinsteiger müssen zunächst einen Einstiegskurs über Dermatologie und Kosmetik absolvieren. Lehmann: „Dessen Kosten richten sich nach Dauer und Aufwand.“ Und erzählt weiter: „Wir sind stolz darauf, dass gleich der erste große Kurs im Januar komplett ausgebucht war. Ein gelungener Auftakt.“

Die Zukunft

Kein Wunder also, dass Lehmann optimistisch in die Zukunft blickt: „Durch die neuen gesetzlichen Regelungen in Sachen Großhandelsrabatte werden die Apotheken mehr und mehr nach Alternativen suchen. Wir sind eine davon.“ Und so prognostiziert sie selbstsicher: „In den nächsten fünf Jahren wollen wir 100 Partner für unser Konzept gewinnen – unter den Apothekern wie auch den PTAs.“ Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Neben dem Pilotbetrieb Bruchsal zählte Dermotheke Ende 2011 erst vier Filialen, darunter eine Apotheke. Aber es ist ja auch erst das Jahr eins nach dem Franchise-Start, die nächsten acht Partner seien schon in Wartestellung.



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